Wer meinen Großvater, den “Hirtler Hias” gekannt hat, wird sich sicher noch an diesen Spruch, den er meistens in angeheitertem Zustand von sich gab, erinnern.
Es war im Feber 1926, als das Ehepaar Josefa und Matthias Eder in Bremerhafen an Bord ging. Ihr Ziel war Amerika. Sie hofften auf bessere Arbeitsmöglichkeiten, auf die Chance, Geld zu verdienen,
um sich daheim eine Existenz aufbauen zu können. Um die Schiffspassage bezahlen zu können, musste das risikofreudige Ehepaar drei Kühe und die Einrichtung verkaufen. Zurück
blieben die drei kleinen Kinder. Der Lois und die Hilda waren beim “Britschnig” am Grafenberg unter-gebracht, der ein-einhalbjährige
Sepp beim “Rosenberger” in Tresdorf. Seekrank von der stürmischen Überfahrt und der englischen Sprache nicht mächtig, erreichten sie nach drei Wochen die Vereinigten Staaten. Aber auch dort
herrschte damals große Arbeitslosigkeit. Der Mölltaler Zimmermann und seine tüchtige Frau schlugen sich jedoch tapfer durch. Ob als Abwäscher, Straßenarbeiter, Hausbursche, Zimmerer,
Landwirtschaftsgehilfin, Haushälterin, Küchenhilfe - sie nahmen jede Arbeit an - immer ihr Ziel vor Augen. Nur unter dem strikten Alkoholverbot schien der gute Matthias zeitweise zu leiden, denn
es brachte ihm sogar ein paar Tage Gefängnis ein. Meine Großmutter erkrankte einmal schwer an Kopftyphus, der ihr die einzigen arbeitsfreien Tage in all den fünf Jahren verschaffte. 1931 kehrte
das Paar wieder in die Heimat zurück. Für die bereits schulpflichtigen Kinder waren Vater und Mutter zunächst fremde Leute.
In Tresdorf standen damals das Gasthaus Fercher und die kleine Landwirtschaft “Hirtler” zum Verkauf. Großmutters Herz schlug mehr für die
Landwirtschaft, und so erwarb man mit dem in Chicago verdienten Geld das “Hirtler-Sachl” als Zuhause für die fünfköpfige Familie. Und wenn der “Hirtler
Hias” später in guter Stimmung sein “Ich war in Chicago, wo warst du?” von sich gab, so schwang mit Recht etwas Stolz auf die außerordentliche Leistung des Paares mit.
erzählt von Heidi Lassnig